Sonntag, 6. November 2011

Herbsttag

Ein sonniger Novembertag geht zu Ende. Es ist wie die Ruhe vor dem Sturm. War es nicht auch im letzten Jahr so, dass uns ein goldener Oktober und noch sonnige Novembertage vergönnt waren? Um dann innerhalb von Stunden beim nächsten Sturm die letzten Blätter von den Bäumen zu fegen? Um dann innerhalb von Stunden den Winter ins Land bringen?

Noch ein paar Fotos aus Mütterchens Garten und eines meiner Lieblingsgedichte von Rilke:



Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. 
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, 
und auf den Fluren laß die Winde los. 

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; 
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage, 
dränge sie zur Vollendung hin und jage 
die letzte Süße in den schweren Wein. 

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. 
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, 
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben 
und wird in den Alleen hin und her 
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. 

Aus: Das Buch der Bilder, 1902

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